Mein erster HM in Cuxhaven – Ehrgeiz und Vernunft vertragen sich schlecht!

Das war er also – mein erster Halbmarathon! Ich habe ihn mit einer Portion Unvernunft ein und der besten Laufbegleitung der Welt (für mich) geschafft und das, obwohl es nur drei Stunden vor dem Start noch den Satz von mir an mein Gegenüber gab: “Ok…, dann laufe ich heute wohl nicht…:-(“. Der Gesichtsausdruck dabei war übrigens noch negativer, als ihn dieser Smiley überhaupt ausdrücken kann und natürlich, ich bin ja nah am Wasser gebaut, liefen dabei auch ein paar Tränen der Enttäuschung.

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Aber was war passiert?

Schon 5 Tage vor dem geplanten HM in Cuxhaven am 9. April kam irgendwie eine Erkältung angeflogen. Ich habe also brav meinem Körper einfach mal ein paar Tage Pause gegönnt, die er sich nach den zwei Monaten Ausdaueraufbau auch absolut verdient hatte und habe mit meiner geliebten Nasendusche gegen den herannahenden Schleimvorstoß in meine Nasennebenhöhlen gekämpft. Eigentlich dachte ich Freitag noch, dass das ganz gut geklappt hätte, doch Samstag war es eher schlechter. Aber nicht schlecht genug, um den Start überhaupt in Frage zu stellen. Die Nacht von Samstag zu Sonntag habe ich dann aber doch mit viel Nase putzen und Aspirin Complex zum schlafen. Das war natürlich auch an meiner liebsten Laufbegleitung nicht vorüber gegangen und morgens kam nur von der rechten Bettseite: “Na du läufst wohl besser heute nicht, hm?!” Meine Reaktion: Umdrehen, trauriges Gesicht ziehen und nicht antworten. Ich kannte die Antwort ja eigentlich schon selbst: Er hatte Recht! Einige Minuten später, innerliches Ringen zwischen Ehrgeiz und Vernunft hatte ich mich dazu entschlossen, nicht zu laufen. Doch nach der Dusche und dem Frühstück fühlte ich mich bis auf eine ziemlich verstopfte Nase gut. Kreislauf top, Treppen im Hotel zum dritten Stock hoch ohne Pulsexpolsion. Es stand schnell fest: ICH LAUFE DOCH! Ich probiere es wenigstens und kann zur Not nach der ersten von zwei Runden aussteigen (was ich vermutlich sowieso nicht gemacht hätte…:-D)

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Kurz-Kurz wäre cool gewesen

Die Sonne hatte es echt gut gemeint mit uns und schon auf dem Weg zum Start musste ich meine lange Hose, mit der ich dachte, gut beraten zu sein, hochkrempeln. Gott sei Dank hatte ich ein Top unter dem Langarmshirt drunter. An den Beinen zu warm angezogen schien mir weniger schlimm als obenrum – es ging also im Top los und meine Cap wurde mein bester Freund auf den nächsten 21km.

Eigentlich denkt man ja, in Cuxhaven, an der Küste, ist schön viel Wind und die knallende Sonne und 15 Grad lassen sich dann beim laufen schön aushalten…HAHA, denkste! Es gab fast kein Lüftchen auf der 10,5km langen Strecke, die wir zwei Runden laufen durften und davon nur die eine Hälfte vor dem Deich am Wasser. Hinter dem Deich und im Ortskern: ordentlich warm!

Meine Laufbegleitung und Ich hatten schon vor dem Lauf ausgemacht, dass mein Puls das Maß aller Dinge sein würde, wenn ich laufe. Ich habe also das erste Mal beim Laufen konsequent jeden Kilometer oder bei komischem Gefühl meine Uhr angestarrt und mich vergewissert, dass er schön in meinem normal-“hohen” Grundlagenbereich bleibt, was mir mit der Erkältung sinnvoll erschien. Das ging und so konnte ich die erste 14km wenn auch langsam aber ohne erhebliches Erkältungsgefühl gut laufen. Mein Begleiter hatte übrigens (ich behaupte aus Sorge, ich könnte doch umkippen und mich überehrgeizig übernehmen), beschlossen, anstatt auf ca. 1:45 Std. zu laufen, mit mir die Strecke knapp eine Stunde länger abzubummeln – sehr zu meiner Freude, denn ohne ihn hätte ich nach KM 15 vermutlich aufgehört.

Ich wusste ja, dass ich ab KM 15 kämpfen muss, mit der Erkältung noch mehr als gedacht, denn da war mein Trainingsmaximum im Vorfeld immer erreicht. Mein Schweinehund hatte aber irgendwie einen guten Tag mit mir und hat nicht allzu sehr geärgert. Fast eher im Gegenteil, denn ich konnte auch bei KM 19 immer noch über die Witze von rechts kommend lachen 😉

Keine Energie mehr für Freudentränen

Die letzten zwei Kilometer waren dann noch einmal zäh und ich suchte wirklich meine Freudentränen, als ich am 20km-Schild vorbei getrödelt war. Auf der ersten Runde hatte ich noch gesagt: “Ich freu mich schon auf das Gefühl, wenn wir hier an dem blöden Schild nachher vorbei sind! Dann fang ich an zu heulen!” Aber ich war platt, zu platt für Emotionen. Ich wollte einfach nur noch ankommen – irgendwie! Und nach knapp 2:43 Std. sind der “Löwe und seine Tigerin” dann über die Ziellinie geschlichen 🙂

Zeit? Egal!

Ich glaube, hinter uns waren noch drei oder vier Frauen, von denen ich nich weiß, ob sie alle ins Ziel gekommen sind. Aber das war und ist mir sowas von egal. Ich wusste vorher, dass ich langsam laufen würde, mit Erkältung dann eben noch langsamer. Der Puls hat mitgespielt, jeder Verpflegungsstation mit Wasser und Banane war mein Höhepunkt und das Beste: Am nächsten Tag beim Spaziergang zu fragen, ob wir hier und da beim Lauf lang gelaufen sind, ist die Krönung, denn ich muss wirklich wie im Tunnel gelaufen sein 😀

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Fazit des ersten HM

Mein Ehrgeiz hat gewonnen. Ehrgeiz zu laufen, den ich vorher nie für möglich gehalten hatte. Das ich einmal frustriert auf einem Hotelbett sitzen würde und ein paar Tränen vergießen würde, weil ich einen HALBMARATHON nicht laufen kann (sollte…)? Irgendwie muss ich mich da selber kneifen, denn vor eineinhalb Jahren hätte ich darüber herzlich gelacht und gefragt, was für ein schlechter Witz das sein soll.

Mein Erkältung hat sich Sonntag Abend natürlich gerächt und mich bis Montag Mittag Kreislauftechnisch ausgehebelt, aber es wird langsam besser. Es war unvernünftig, zu laufen, ich würde es so nicht noch einmal machen aber im Nachhinein war es jeden Meter und jede Qual wert. Mein Kopf weiß jetzt: Ich kann diese Distanz schaffen. Für mich psychologisch ein super wichtiger Schritt für das weitere Training und die Mitteldistanz im September.

Schneller werde ich bis dahin hoffentlich dann auch noch 😉

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